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Strategien für den Umgang mit schlechten Gefühlen

Oft kommen sie ohne Vorankündigung, und sehr heftig. Die negativen Gefühle. Da ist Stress in der Beziehung, die Ex läuft dir über den Weg, der Chef hat dich gekündigt? Das Leben hat allerlei Höhen und Tiefen, und gerade die Tiefen können ab und zu sehr tief sein. Dann überrennen dich negative Gefühle, Trauer, Angst… und das Leben sieht trostlos und aussichtslos aus?

Nun, mir ist es letztes Wochenende so ergangen – heftigste seelische Schmerzen, als würde mir ein Arm ausgerissen… Der Grund dafür? Für diesen Artikel egal, aber ich möchte dir ein paar Strategien vorstellen, die dir im Umgang mit schlechten Gefühlen helfen können.

Anti-Strategie 1: Ablenkung mit Freunden

Ich selbst habe den Umgang mit negativen Gefühlen leider perfektioniert – es wird verdrängt auf Teufel komm raus. Da wird jeder noch so eingeschlafene Kontakt angerufen, um nur ja einen vollen Terminkalender zu haben – zwischen Frühstücks-Treffen und Mittags-Date geht ja noch ein Kaffee mit irgend jemandem. Das Ziel lautet nur Ablenkung, sprich es sollten Personen sein die auf ein „danke, mir geht’s gut“ hereinfallen und mit denen ich bitte nur oberflächlich reden kann, nur nicht zu viel nachfragen.

Das Problem dabei? Du drückst das negative Gefühl weg, was zwei Folgen hat:

  1. es kommt wieder. Das kann relativ bald sein oder auch erst in Wochen oder Monaten. Bis dahin hat sich das Gefühl aber ausgeruht, ist stärker geworden – und es wird dich wieder heimsuchen.
  2. es lagert sich in deinem Körper ein. Dein Körper merkt sich jedes Gefühl in Form von Spannung, Verspannung. Die Schmerzen im Rücken? Ja, auch die falsche Sitzhaltung, aber auch viele viele kleine, verdrängte Gefühle (die dann bei Yoga oder Shiatsu hochkommen können, das ist neben Entspannung das Ziel von Körperarbeit).

Schlechte Gefühle wegtrinken mit Alkohol

Anti-Strategie 2: Alkohol und Essen

Zum Glück neige ich nicht dazu meine Gefühle in Alkohol zu ertränken, aber mir fällt auf, dass ich mehr und oft sinnloserweise esse. Da hatte ich erst eine Hauptspeise und eine Nachspeise und kurz darauf ist auch schon die halbe Tafel Schokolade weg – und irgendwie habe ich auch noch Lust auf ein Eis…. klassisches Frustessen also.

Mit Alkohol oder anderen Drogen ist es leider noch viel schlimmer – zum abendlichen Glas Wein kommen noch ein oder zwei Spritzer am Nachmittag dazu (du willst dir ja was Gutes gönnen!), und so kommt über den Tag verteilt jeden Tag eine schöne Menge Gift in deinen Körper. Auch Rauchen dämpft dich und lässt dich weniger intensiv fühlen – leider werden aber auch die positiven Gefühle wie Freude und vor allem Mitgefühl gleich mit von der Gefühlslandkarte gestrichen.

Du siehst also, dass jegliches Suchtverhalten durch negative Gefühle noch verstärkt wird, aber das Gefühl dadurch nicht verschwindet oder sich auflöst. Du spürst es nur kurzfristig nicht mehr, aber langfristig hilft dir diese Strategie leider gar nicht.

Anti-Strategie 3: Weglaufen

Während der eine Typ Mensch auf Alkohol und Essen anspringt (und bald nicht mehr von der Couch aufspringen kann) gibt es andere, die sich im Sport ertränken. Da wird dann gelaufen, als wäre der Teufel persönlich hinter einem her. Yoga zweimal am Tag, und das ist noch zu wenig. Nur nicht zur Ruhe kommen, dann könnte das Gefühl ja hochkommen. Von einem Termin zum nächsten, Ausstellungen besuchen, nur ja immer in Bewegung bleiben.

Wenn nicht körperlich, dann lässt es sich auch ganz gut in die virtuelle Welt flüchten – dank Facebook und Instagram kannst du jederzeit an den positiven Gefühlen anderer teilhaben, das lenkt auch wunderbar von der eigenen Situation ab. Und der nächste Chat ist ja auch nur einen Tinder-Match entfernt.

Wenn du in diesem Modus bist, läufst du also sehr effektiv vor deinen Gefühlen und auch vor dir selbst davon. Du wirst nicht erkennen können, wie wunderbar du bist und wer du bist, wenn du ständig in Bewegung bist und dir das Leben von anderen reinziehst wie eine Line Koks.

Na was dann, bitte?

Gut, diese Strategien können wir wahrscheinlich alle perfekt, aber wäre es nicht an der Zeit umzudenken? Denn kurzfristig ist Ablenkung jeglicher Art ja in Ordnung, aber wirklich helfen tut es dir nicht.

Ich für meinen Fall habe entdeckt, dass mir diese 3 Strategien langfristig besser helfen, mit negativen Gefühlen umzugehen:

Strategie 1: Stehen bleiben

Hier meine ich nicht das Stehenbleiben mitten auf der Kreuzung, sondern anstatt dich mit anderen Personen oder Substanzen jeglicher Art abzulenken einfach inne zu halten und das Gefühl zu beobachten.

Das geht natürlich am besten, wenn du dich zurück ziehst, dir Zeit für dich nimmst und dann das Gefühl beobachtest. Wenn du weinen musst, dann weine, lass es raus. Drücke das Gefühl nicht weg, stell dich dem Gefühl und nimm es an.

Klingt jetzt kompliziert, ist es aber gar nicht. Frage dich, wo du das Gefühl im Körper spürst, erkenne und lächle, wenn du dich wieder ablenkst (schon wieder ist die Kühlschranktür offen!) und sei freundlich zu dir selbst. Es wird sich ändern und vorbei gehen, wenn du den aktuellen Zustand akzeptierst, wie er ist.

Strategie 2: Sei ehrlich

Am besten kann ich mich selbst belügen, das habe ich von der Kindheit weg gelernt. Es gehört auch zu unserem Überlebensinstinkt uns Situationen „schönzureden“, aber je ehrlicher du zu dir selbst bist, desto einfacher hast du es auch mit dir.

Also versuche so ehrlich wie möglich zu sein und die Situation weder schön- noch schlechtzureden.

Das selbe gilt auch für dein Umfeld – es ist absolut in Ordnung zum Partner, Freunden oder Arbeitskollegen zu sagen, dass du momentan nicht sehr gut drauf bist und ein wenig Zeit für dich brauchst.

Und nein, du musst dich nicht erklären oder rechtfertigen, einfach „Zeit für mich, bitte!“ ist absolut ausreichend!

Strategie 3: Tu dir etwas Gutes

Das ist der schwierigste Teil – weil der Grat zwischen „mir etwas Gutes tun“ und „Ablenkung/Verdrängen“ sehr, sehr schmal ist. Du kannst zwei Stunden mit jemandem über Oberflächlichkeiten reden oder in zwei Minuten wirklich zum Punkt kommen und in deinem Inneren berührt werden – und dazwischen liegen Welten!

Nun, was tut dir jetzt gut? In erster Linie Zeit für dich – das kann ein langer, langsamer und achtsamer Spaziergang in der Natur sein, dass du dir etwas leckeres kochst (anstatt nur Fastfood zu bestellen und in dich reinzustopfen), Meditation, sanftes Yoga oder eine Massage beim Praktiker deines Vertrauens (auch dem solltest du sagen, dass du nicht viel reden willst…).

Es ist also ziemlich egal, was du tust, wichtig ist nur, dass du es alleine und achtsam machst – dein Gefühl kann dir nämlich niemand anders abnehmen, und wenn es rund um dich laut ist und du hetzt, wie sollst du das Gefühl dann wahrnehmen?

Nimm dich an!

Zum Abschluss noch das wichtigste – in allem, was du tust und fühlst, auch wenn es negativ ist, nimm dich an. Du bist gut so, wie du bist. Auch wenn du weinerlich, ängstlich, verärgert bist und keinen Ausweg aus deiner Situation siehst. Sie wird sich ändern, das Gefühl wird sich ändern.

Durch das Annehmen akzeptierst du dich und das Gefühl, anstatt es im Körper einzulagern – dein Körper wie auch dein Shiatsu-Praktiker werden es dir danken! ;-)

Schau auf dich,
du bist wunderbar!

Michael

PS: hast du weitere Strategien, um mit negativen Gefühlen umzugehen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Michael! Ein sehr schöner Artikel mit guten Tipps. Ich hoffe, dass deine Baustelle behoben ist und es dir bald wieder besser geht. Ich bin grad guter Dinge, weil mir dein Text so gefallen hat. Danke für deine Offenheit! Alles Liebe, Moni

    Antworten

    • Hallo Moni,
      danke, danke, die Baustelle ist zwar noch da, aber auch der Flughafen Wien ist irgendwann fertig geworden :-)))
      lg
      Michael

  2. Lieber Michael,
    ein schöner Artikel! Kenn ich selber gut, die Strategie des Verdrängens (ich habe manchmal das Gefühl es existiert ein „Kochtopf“ in meinem Bauch. Deckel auf, negative Gefühle rein, Deckel wieder aufsetzen und „weg“ sind die Gefühle ?….
    Auch deshalb fasziniert mich Yin Yoga und Meditation. War schon immer ein „Körpermensch“. Das heißt muss über Bewegung, über den Körper mich an meinen „Kochtopf“ heranpirschen um auch mal den Deckel abzuheben… ?
    Ich freue mich dich kennenzulernen in Hamburg ?und wünsche dir viel „me time“ (glaube das war lunik? die das mal so schön formuliert hat)um deine „Baustelle“ zu beenden (falls das so schnell überhaupt möglich ist)
    Es sind die „nicht so schönen“ Zeiten, die uns wachsen lassen ?
    Liebs Grüessli Susi

    Antworten

    • Danke Susi für das schöne Beispiel mit dem Kochtopf, das ist wirklich eine gute Erklärung dafür!

      Bis Hamburg, ist ja nicht mehr lange! Bin gespannt, wie weil wir den Deckel dort öffnen ;-)

      lg Michael

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