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Eine Geschichte über Ratschläge und das Besser-Wissen…

Oh wie oft ertappe ich mich dabei andere zu verurteilen und Dinge einfach besser zu wissen… kennst du das auch, bevor der andere noch etwas gesagt hat, hast du schon ein Urteil und bist bereit einen Ratschlag zu geben?

Aber starten wir einmal mit einer Geschichte aus dem alten Indien….

Die Geschichte

Auf der einen Seite des Flusses sitzen ein paar alte Yogis im Schatten eines Bodhibaums  und erfreuen sich des Lebens. Sie haben alle schon viel in ihrem Leben erreicht, können auch die 4. Serie von Ashtanga, haben viel meditiert und sind bei den Leuten hoch angesehen. Sie sitzen also da und fachsimpeln über Yoga, als sie auf der anderen Seite des Flusses einen jungen Mann entdecken, der ebenso unter einem Bodhibaum sitzt und meditiert.

Die alten Yogis beobachten den jungen Mann kurz und beginnen aufgeregt über ihn zu diskutieren. Kurz darauf beginnen sie auch zum jungen Yogi hinüberzurufen: „Hey, junger Mann, das machst du aber nicht richtig, du sitzt doch falsch!
Wieder ein anderer meint „Und deine Atmung passt auch nicht, du atmest doch nicht richtig, das sehe ich von hier!
So geht das eine ganze Weile, und schließlich fordern sie den jungen Mann auf, zu ihnen auf ihre Seite des Flusses zu kommen, damit sie ihm Yoga und Meditation richtig lernen können.

Der junge Mann erhebt sich also, geht zum Ufer des Flusses und fängt an über das Wasser zu ihnen zu gehen. Woraufhin die Alten erschrocken schreien „Schon gut, schon gut!!!“…

Eine Geschichte unter einem Bodhi-Baum...

Zwei Seiten

Geht es dir auch ab und zu so, wie dem jungen Mann in der Geschichte? Dass dir vorkommt, alle anderen wollen dich verbessern, ausbessern, wissen es besser? Dabei sind sie nicht du, und du hast eh einen Plan, deinen Plan? Auch wenn er eventuell nicht der schnellste ist und du Fehler machst und neu beginnen musst, so ist es doch dein Leben, dein Plan und dein Weg – der dich irgendwann auch zu deinem Ziel führt. Auf deine individuelle, einzigartige Art und Weise.

Oder geht es dir ab und zu so wie den alten Männern, die glauben schon alles zu wissen und anderen Ratschläge erteilen? Dass du glaubst zu wissen, was der andere braucht und jetzt tun muss, um weiter zu kommen?
Besonders in einer Gruppe passiert dies häufig, dass über „die anderen“ auf der anderen Seite des Flusses (oder des Kaffeehauses) gelästert wird, weil sie „etwas anders“ machen, anders aussehen, einfach anders sind. Kennst du das?

In die selbe Falle tappen wir leider auch oft im Yoga – nur weil mein Yoga-Weg so war bzw. ist, wie er ist, heißt das noch nicht, dass dies auch auf andere zutrifft. So wird dein Weg anders sein und deine Asanas werden anders aussehen, weil dein Körper und deine Geschichte anders sind.

Aufgepasst, liebe Yogalehrer…

Als Yogalehrer ist es daher immer wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass deine eigene Erfahrung eigentlich ein sehr schlechter Ratgeber ist. Deine Schüler sind komplett andere Menschen und haben einen komplett anderen Knochenbau als du, sie haben andere Geschichten, eine andere Erziehung, ein anderes Leben. Dann zu sagen, sie sollen alle die selbe physische Position einnehmen und entsprechende Anweisungen zu geben, das kann doch nicht funktionieren.

Zum Glück sind sich schon sehr viele Yogalehrer dessen bewusst und sie gehen individuell auf die Schüler ein, aber gerade für Anfänger-Lehrer ist das oft noch ein Problem. Daher nimm dich als Lehrer ein wenig zurück und respektiere die Unterschiede, besonders jene die physisch in den Knochen liegen.

Solltest du mehr darüber lernen wollen, wie unterschiedlich wir Menschen sind, so kann ich dir die Yoga-Ausbildungen bzw. Workshops von Yin Therapy empfehlen. Anatomie kann sehr spannend sein, wenn sie denn richtig vermittelt wird ;-)

… und auch die Schüler…

Als Yoga-Schüler (oder „Schüler“ im Allgemeinen) möchte ich dir mit der Geschichte mitgeben zwar auf deinen Lehrer zu hören, aber noch viel mehr auf dich und deinen Körper zu achten. Dein (Yoga-)Lehrer ist wahrscheinlich sehr gut, er hat positive und gute Absichten für dich, er möchte dir seine Begeisterung für Yoga und seine Erlebnisse näher bringen. Aber er ist nicht du. Er hat nicht deinen Körper, deine Geschichte, deine Eltern. Daher höre auf seine Anweisungen, denn er spricht aus Erfahrung, aber achte noch viel mehr darauf, was du selbst spürst.

Gerade als Anfänger ist dieses „spüren“ aber schwierig, da bist du eventuell „mit eh allem“ überfordertandere Menschen, keine Socken, 2 Hände und 2 Beine koordinieren, atmen nicht vergessen, die anderen sind schon weiter… uff. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich geschwitzt hab und mir dachte, ich lern das nie (heute weiß ich, dass ich einiges auch nie können werde, aber das ist eine andere Geschichte). Aber auch dann, lass dich nicht von den „Alten“ auf der anderen Seite des Studios mitreißen, sondern achte auf dich und deine eigenen Grenzen:

  • Das Asana fühlt sich komisch an? Adaptiere es.
  • Da zieht es so ungut im Knie? Raus aus der Position.
  • Du hast keine Ahnung, wie das gehen soll? Frag den Lehrer.

Und wie geht’s weiter?

Nun ja, ein schwieriges Thema. Denn dieser Artikel gibt natürlich nur meine Meinung wieder, aber hoffentlich regt er dich an, dich selbst ein wenig zu beobachten.

Und zwar, wenn du in die Rolle „der Alten“ schlüpfst und anderen Ratschläge erteilst und glaubst, deine Meinung ist die einzig richtige. Geh dann einen kleinen Schritt zurück und versetze dich in dein Gegenüber, will dieses überhaupt deine Meinung hören? Und ist diese auf dein Gegenüber angepasst oder sprichst du mehr zu dir selbst?

Oder auch wenn dir andere Ratschläge erteilen und du sie entweder ungefiltert annimmst („das müssen sie doch wissen, sei sind doch älter/machen es länger/haben graues Haar/tragen einen Anzug…“), dann schau genau hin – manche Dinge sind gut zu wissen, aber vieles ist auch anders machbar.

In beiden Fällen wünsche ich dir zu erkennen, dass es die andere Person nicht böse oder mutwillig meint, sondern einfach ist, was sie ist – nämlich ein anderer Mensch mit einer anderen Erfahrung. Denke immer an die Aussage der alten Indianer: „Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen New Balance gegangen bin.“

Schau auf dich, achte auf dich!

Michael

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