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Wie du den Handstand im Yoga lernst (und dich dabei verletzt)

Vor kurzem hatte ich eine spannende Diskussion mit einer Yoga-Kollegin… die unbedingt den Handstand können will und mich nach Tipps gefragt hat, um ihn schneller zu lernen. Die Antwort war dann leider nicht das, was sie hören wollte, aber sie war finde ich ganz fruchtbar und hat sich in diesem Artikel niedergeschlagen. Denn:

Im Yoga geht es nicht darum, möglichst fancy Posen zu können, sondern um etwas ganz anderes….

Aber lass uns von vorne anfangen:

Du bist im Yoga top-motiviert und willst es durchziehen

Das ist sehr gut, denn du hast offensichtlich die erste, große (wenn nicht größte) Hürde überwunden: den inneren Schweinehund.

Der sieht vermutlich aber nicht so aus:

… sondern eher so:

Gratuliere also! Du gehst regelmäßig mehrmals pro Woche ins Yoga, kaufst dir fancy Yoga-Kleidung und verfolgst Yoga-Models auf Instagram und liest Yoga-Blogs. Deine Yoga-Lehrerin ist dein uneingeschränktes Vorbild, sie kann fancy moves und auch dein Ziel, der Handstand, der geht ihr locker von der Hand.

Also strengst du dich noch mehr an, übst auch zu Hause, denn das Ziel ist der Handstand (oder, falls du eher steif wie ein Brett bist, dann einfach nur deine Zehen mit ausgestreckten Beinen zu erreichen).

Doch was erreichst du eigentlich damit?

Du wirst dich garantiert verletzen

Dein Körper ist ein Wunderding, er hält extrem viel aus (denk nur an all die durchzechten Nächte!) und heilt sich selbst. Er kann sich auch relativ schnell an unterschiedliche Belastungen anpassen, aber du musst ihm dafür Zeit geben.

Zeit, die du wahrscheinlich nicht hast – denn du willst den Handstand ja JETZT können und nicht erst in einem Jahr. Du willst JETZT auf Instagram zeigen, dass du es drauf hast, dass du der perfekte Yogi bist. So wie auch sonst in unserer heutigen Zeit befindest du dich ständig in einem Hamsterrad, es muss ständig höher-weiter-schneller sein, auch im Yoga.

Doch genau das funktioniert mit deinem Körper nur bedingt. Entweder bist du ein Naturtalent, was Yoga und Körperbeherrschung angeht, oder du bist es eben nicht. Dann wird dich dein Ehrgeiz, deine Motivation, dein Ziel nur zu einem bringen: zu einer Verletzung. Irgendwann werden deine Handgelenke schmerzen (im besten Fall) oder du wirst fallen und dich wirklich ernsthaft verletzen.

Warum? Weil dein Körper noch nicht dort ist, wo dein Geist schon gerne wäre.

Aber abgesehen davon:

Du hast das Ziel von Yoga nicht verstanden

Das folgende ist jetzt ein wenig ein Widerspruch in sich – aber du willst im Yoga nichts erreichen.

Klar, willst du besser werden und dich entwickeln, irgendwann auch erleuchtet sein. Auf dem Weg dort hin wird es auch Schweiß geben, Frust, weil etwas nicht klappt, Motivation durch Vorbilder… aber etwas mit Gewalt möglichst schnell erreichen wollen, das ist nicht das Ziel von Yoga.

Es geht im Yoga um Gesundheit

Wenn du deinen Körper benutzt, bewegst, unter positiven Stress stellst, ihn bewegst und liebevoll behandelst, dann wird er es dir danken und dich lange begleiten. Weil er gesund ist, dein Körper.

Mit Druck etwas erreichen zu wollen, nicht auf den Körper zu achten, noch weiter zu gehen, noch 5 Sonnengrüße mehr und dann voll fertig in der End-Entspannung liegend (aber nicht zu lange, der nächste Termin wartet schon!) wird dir zwar schnell Muskeln bringen, aber deinen Körper auf Dauer zu sehr belasten (siehe „Quäl dich im Yoga“ für mehr Details zu diesem Thema).

Überleg dir einmal folgendes – welche positive Auswirkung haben längere Hamstrings auf deine Gesundheit? Oder ein Handstand, was ist die gesundheitlich positive Auswirkung? (Und weil ich schon die Yoga-Profis höre – eine Umkehrhaltung lässt sich auch einfacher erreichen, dazu muss ich nicht auf den Armen oder dem Kopf balancieren…)

Es geht im Yoga um Entspanntheit (vor allem um die geistige)

Auch wenn Yoga von außen sehr körperlich wirkt, so geht es doch um die geistige Haltung.

Geistige Entspannung bedeutet nun einmal das Leben entspannt zu sehen (siehe auch: Wie du Fortschritte in der Meditation erkennst). Also weg mit dem Ziel, doch endlich (jetzt übst du ja schon 3 Wochen!) den Handstand zu können.

Das wird besonders dann wichtig, wenn du diese feschen, hübschen Yoginis auf Instagram oder Facebook siehst, die einfach wunderschön sind und sich so gut verbiegen können… denn genau dann ist der Yogi in dir gefragt, der sich denkt „schön, Körper sind unterschiedlich, ich mag meinen wie er ist… und es wird schon kommen, wenn er so weit ist“.

Und dann spürst du dich, deinen eigenen Körper, deine Pose. Nicht die Pose, die dir irgendjemand vorgibt, sondern DEINE Pose. Das ganze ist im Yin-Yoga zur Spitze getrieben, dort geht die Funktion vor der Form. Was vielleicht anfangs verstörend ist, aber für dich, deinen Körper und dein Yoga einfach schlauer…

In diesem Sinne: mach es zu deinem Yoga!

Schau auf dich!

Michael

PS: Anbei noch zwei Links zu (englischsprachigen) Artikeln, die mich auch zum Inhalt dieses Blogposts inspiriert haben:

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In der Früh zu praktizieren ist sehr schön und bietet auch viele Vorteile gegenüber geführten Stunden am Abend. Welche 5 Vorteile es hat am Morgen zu üben kannst du hier nachlesen.

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7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, Yoga heißt nicht, möglichst viele fancy Posen zu können.
    Aber Yoga heißt auch nicht, fancy Posen zu vermeiden und erst gar nicht probieren weil man sich ja verletzen könnte.
    Ich finde es gut und wichtig, sich Ziele zu setzen, Ziele zu haben und diese zu verfolgen.
    Das ist nicht immer mit Verletzungen gleichzusetzen – und das widerspricht auch nicht dem Sinn von Yoga.
    Wichtig ist halt, dass man sich an das Ziel nicht „anhaftet“ und sein Glück davon abhängig macht, ob oder wie schnell man es erreicht.
    Ein Handstand ist ein gutes Ziel, denn es erfordert eine Menge Disziplin und Übung die Körper und Geist gleichermaßen herausfordern.
    Die eigene Yoga-Praxis danach aufzubauen, um die für den Handstand notwendigen Elemente wie Kraft, Flexibilität, Technik etc zu lernen und aufzubauen, den eigenen Prozess zu beobachten, die vielleicht noch existierenden Einschränkungen wahrzunehmen und zu respektieren, immer wieder ein bisschen weiter zu kommen, ebenso wie vielleicht für eine zeitlang nicht weiter zu kommen, und sich auf jeden Fall genug Zeit zur Regeneration nehmen – das ist Yoga.
    Yoga ist der Weg dahin (wohin auch immer) und nicht die Endposition.
    Yoga ist die Einstellung zu sich, zum eigenen Körper, wie wir damit umgehen, zum Geist, wie wir mit uns selbst sprechen, und vieles mehr.
    Aber Yoga sind auch manchmal fancy aussehende Posen und Yoga ist auch, zu erkennen, was in einem passiert, wenn man andere in fancy Posen sieht, die man selbst (noch) nicht kann.
    Yoga ist auch zu erkennen, ob bzw worüber ich urteile…

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  2. PS: und Yoga ist auch nicht IMMER NUR Entspannung und dass sich alles gut und easy anfühlt. Yoga ist auch über die Komfortzone hinauszuwachsen, ok damit zu sein, dass es manchmal ungemütlich ist, es bedeutet manchmal, das Brennen in den Muskeln zu akzeptieren weil es nur dann ein Weiterkommen, Wachsen und Stärken gibt, wenn wir bereit sind, manche Grenzen zu verlassen. Alles in Maßen, alles mit Kontrolle (von Körper, Geist und Atmung) und mit entsprechender Entspannungsphase danach!

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    • Absolut! Das ist ja das Dilemma – einerseits Forderung, Motivation, Ziele, auf der anderen Seite nicht Überforderung oder Faulheit.

      Nur wenn Yoga nur mehr praktiziert wird um in eine fancy Pose zu kommen, dass das alleinige Ziel ist, dann ist es nicht richtig. Und genau darauf zielt dieser Artikel ab.

  3. Ja, Yoga ist derzeit schick und im Trend. Und wenn etwas trendy ist, springen viele einfach nur deshalb auf diesen Zug auf und wollen besser sein als andere oder wenigstens genauso gut wie die besten.
    Der eigentliche Sinn bleibt dabei manchmal auf der Strecke. Beim Yoga geht es nun mal nicht darum, wer kann am längsten im Handstand stehen oder sich am weitesten verbiegen – sondern um Gesundheit und Spiritualität.

    Also: Guter Artikel, Michael !

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  4. Nicht nur schick und im Trend. Es gibt immer mal wieder Yoga Hoch´s und Yoga Tief´s. Die einen machen es weil es derzeit wieder total cool ist sich in fancy Pose zu schmeissen auf den bekannten oder unbekannt Seiten, die anderen machen es um für sich den richtigen Sport, ganzheitlich für Körper, Geist und Seele zu finden und sich hier mit auch ein paar Ziele zu setzen. Mein erstes Ziel war es, alles etwas lockerer zu sehen. Mein zweites Ziel war es den Kopfstand irgendwann zu können. Nun weiss ich auch warum es so wichtig ist sich IMMER warm zu machen :-) Nun ist ein weiteres Ziel, irgendwan mal den Handstand, freistehen zu können… irgendwann dann auch „überall“ wo es mir gerade in den Sinn kommt. … Vielleicht erhalte ich hier ja noch ein paar weitere Tips wenn ich mich in den Newsletter eintrage.

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